Tips und Tricks: |
Für den, der es sich leisten kann, ein neues Systemmikroskop einer Markenfirma zu kaufen, spielen bei der Wahl der Marke wahrscheinlich nur selten technische Gesichtpunkte eine Rolle. Egal ob Leica, Nikon, Olympus oder Zeiss: alle Hersteller bieten technisch sehr ausgereifte Produkte an. Bei einer derartigen Investition ist es viel wichtiger, eine Firma zu wählen, die einen guten Service bietet und einem im Notfall schnell und unkompliziert Ersatzgeräte zur Verfügung stellen kann.
Ein Hobby-Mikroskopiker setzt bei der Wahl des Systems wahrscheinlich andere Prioritäten. Da praktisch alle Hersteller ihre Mikroskopsysteme in den letzten Jahren von 160 mm Tubuslänge auf sogenannte Unendlichoptik umgestellt haben, ergeben sich ähnliche Kompatibilitäts-Probleme wie für die Besitzer von älteren non-AF Spiegelreflexkameras: bezahlbare Geräte und Zubehörteile gibt es oft nur noch auf dem Gebrauchtmarkt. Spielt man also mit dem Gedanken, sich ein preiswertes Mikroskop zuzulegen, um es dann später weiter auszubauen, dann sollte man eine verbreitete Marke wählen.
In Deutschland würde ich Leitz oder Zeiss (CZG = Opton) bevorzugen, denn vor allem in den fetten 70er Jahren wurden Geräte dieser Nobelfirmen von vielen deutschen Behörden und Instituten angeschafft. Außerdem profitiert man von der recht konservativen Produktphilosophie dieser Firmen: Zubehörteile von 50er-Jahre-Mikroskopen passen fast immer problemlos an Geräte der 70er und 80er Jahre.
In Österreich stellen die schönen Mikroskope von Reichert möglicherweise eine ähnlich gute Wahl dar.
Sehr günstig werden manchmal Mikroskope von Zeiss Jena (CZJ) angeboten. Besonders die Jenaval-Modelle sind technische Leckerbissen. Bei diesen sollte man allerdings nicht nur die Funktion kritisch überprüfen, sondern vor allem die Vollständigkeit. Fehlende Kleinteile sind u.U. nur sehr schwer zu beschaffen.
Egal für welche Marke man sich entscheidet, folgende Details sollte man beachten:
Das Stativ ist letztendlich die preisgünstigste Komponente des Mikroskops. Man sollte nicht am falschen Ende sparen, sondern sich gleich ein robustes Mikroskopstativ mit auswechselbarem Kondensor und externem geregeltem Lampenhaus zulegen. Einfache Kursstative sind für dieMikrofotografie meist nur schlecht geeignet.
Manche Mikroskope verwenden vorzentrierte und in Stecksockeln gefaßte Niedervoltlampen zur Beleuchtung. Diese sind zwar einfach auszutauschen, aber teilweise nur noch schwer zu beschaffen (Achtung, Apothekerpreise!).
Auch das schönste Mikroskop macht nur wenig Freude, wenn man nur achromatische Objektive besitzt. Für die Mikrofotografie sollte man sich schon ein paar besser korrigierte Objektive gönnen!
Hochauflösende Objektive verlangen nach einem entsprechenden Kondensor. Was nutzt ein Planapo 63/1,4, wenn man nur einen Kondensor mit n. A. = 0,65 zur Verfügung hat? Außerdem sollten Kondensoren mit n. A. >1,0 auch immergierbar sein, sonst kann man gleich darauf verzichten.
Vorsicht beim System-Mix. Natürlich passen Olympus-Objektive mechanisch auch an Leitz-Mikroskope (das gilt zumindest für alle Geräte ohne Unendlich-Optik). Trotzdem kann die Kombination optischer Komponenten zu Schwierigkeiten führen. Das ist insbesondere bei hochkorrigierten Objektiven der Fall. Diese besitzen nämlich einen chromatischen Restfehler, der nur durch die passenden Kompensationsokulare des gleichen Herstellers wieder beseitigt wird. Zumindest theoretisch. Ich habe aber auch schon mit Leitz-Objektiven am Zeiss Mikroskop viel Freude gehabt. Auch die Kombination Zeiss/Olympus habe ich schon gesehen (zur Qualität kann ich keine Angaben machen). Probleme können außerdem durch Unterschiede im Längen-Abgleich der Objektive auftreten, d.h. beim Wechsel zwischen 2 Objektiven verschiedener Hersteller tritt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Schärfesprung ein. Im ungünstigsten Fall knallt man dann mit der Frontlinse des Objektives mitten auf das Deckglas!
Spätestens bei der Anwendung von Kontrastverfahren (Phasenkontrast bzw. Interferenzkontrast) bringen "Fremd-Objektive" nichts als Probleme. Die Größe und Breite von Phasenringen und die Lage der Objektiv-Austrittspupillen unterliegen nämlich keinem Standard. Da hilft nur ein System aus einem Guß
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