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Wer ernsthaft Mikrofotografie betreibt, wird früher oder später um einen adaptierten Elektronenblitz nicht herum kommen. Herkömmliche Halogenbeleuchtungen sind zur rein visuellen Mikroskopie zwar gut geeignet, verursachen beim Fotografieren aber einige Probleme. Zum einen haben diese Lichtquellen einen hohen IR-Anteil und erwärmen die Präparate unnötig stark. Zum anderen macht ihr rotlastiges Lichtspektrum die Verwendung von (teuren) Kunstlicht-Filmen notwendig. Dabei ist zu beachten, daß die Lichtfarbe von Halogen- und anderen Glühlampen je nach Betriebsspannung und Alter der Lampe stark variieren kann.
Im Gegensatz dazu besitzt Blitzlicht ein dem Tageslicht sehr ähnliches Spektrum. Durch die kurze Leuchtzeit von Elektronenblitzen wird außerdem das größte Problem bei der Mikrofotografie fast vollständig eliminiert: die Verwacklungsunschärfe. Normalerweise können bei mehrhundertfacher Vergrößerung schon leichteste Erschütterungen (z.B. durch den Verschluß, Spiegelschlag) eine vernichtende Auswirkung auf das Bildergebnis haben. Bei Blitzlichtaufnahmen liegt die effektive Belichtungszeit aber meist deutlich unter 1/1000 Sekunde. Das ist besonders bei Aufnahmen von lebenden Organismen ein großer Vorteil, die sich unter dem Mikroskop nur selten ruhig verhalten.
Man sollte also meinen, daß Mikroblitzanlagen unter Mikrofotografen weit verbreitet wären. Tatsächlich sieht die Realität anders aus. Meines Wissens bietet derzeit keiner der renommierten Mikroskophersteller entsprechende Geräte an. Und wer sich selbst ein Blitzgerät an sein Mikroskop bauen will, steht erst einmal vor einigen Problemen. Zwar sind viele handelsüblichen Blitzgeräte für TTL-Blitzlichsteuerung ausgelegt und damit prinzipiell sehr gut für mikrofotografische Zwecke geeignet, jedoch ist ihre Bauform meist völlig ungeeignet. Einige Modifikationen sind unumgänglich, sollten aber nur vom Fachmann durchgeführt werden.
Die Blitzröhre wird mit einer Spannung von 300-400 V betrieben und die im Blitz-Elko gespeicherte Ladung reicht ohne weiteres aus, um einen Menschen umzubringen! Das Öffnen und Modifizieren von Blitzgeräten kann auch dann noch lebensgefährlich sein, wenn man die Batterien vorsorglich entfernt hat!
Ähnlich wie bei einem Studio-Blitzgerät möchte man die Halogenlampe des Mikroskops weiterhin als Pilotbeleuchtung verwenden. Die Blitzröhre muß deshalb so in den Strahlengang integriert werden, daß sie sich in einer konjugierten optischen Ebene zur Pilotlampe befindet und auch entsprechend zentriert ist. Unterscheiden sich die Eigenschaften der beiden Lichtquellen zu stark, dann ist die Ausleuchtung durch den Blitz kaum vorherzusagen. Störende Abschattungen oder Reflexe auf den Bildern können die Folge sein.
Es gibt verschiedene Methoden, eine Blitzröhre in den mikroskopischen Strahlengang "einzukoppeln". Beispielsweise kann man sie mit einer eigenen Kollektoroptik versehen und ihr Licht mit Hilfe eines Teilerprismas oder halbdurchlässigen Spiegels mit dem der Halogenleuchte zusammenführen. Das von mir bevorzugte Verfahren besteht allerdings in der Verwendung eines Doppelkollektors, wie er beispielsweise von der Firma STAHLSCHMIDT gefertigt wird. Wie der Begriff schon andeutet, besteht ein Doppelkollektor aus zwei identischen Kollektoroptiken (kurzer Schnittweite). Der erste Kollektor bündelt das vom Halogen-Lampenhaus kommende Licht in einem Fleck. An dieser Stelle wird die Blitzröhre in den Strahlengang eingefügt. Der zweite Kollektor sorgt dafür, daß beide Lichtquellen entsprechend dem Köhler´schen Beleuchtungsprinzip in der Eintrittspupille des Mikroskops abgebildet werden.
Übrigens gibt es noch eine sehr einfache Möglichkeit, um eine Blitzlichtanordnung mit handelsüblichen Blitzgeräten zu improvisieren: direkt unter dem Kondensor des Mikroskopes wird eine Mattscheibe angebracht und mit Hilfe eines kleinen Blitzgerätes aus nächster Nähe angeblitzt. Auch wenn das Köhler´sche Beleuchtungsprinzip dabei verletzt wird, kann man auf diese Weise zu guten Hellfeld-Aufnahmen kommen. Für Phasenkontrast oder ähnlich lichtschluckende Mikroskopierverfahren dürfte diese Methode allerdings kaum geeignet sein, da die Lichtausbeute recht gering ist.
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